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Ein paar Gedanken zur Richtung

In diesem Beitrag soll es um "Richtung" gehen. Sie ist ein ziemlich starkes Tool in deinem Werkzeugkasten, um deine Bilder stimmiger und professioneller wirken zu lassen. Also schauen wir uns das Ganze doch einmal an.


Den Blick schweifen lassen

Um in das Thema einzusteigen, ist "Schauen" auch gleich ein gutes Stichwort. Blicke eignen sich sehr gut, um in einer Bildkomposition eine Richtung vorzugeben, besonders wenn sie von den Augen eines Motivs ausgehen. Denn Augen ziehen den Blick des Betrachters magisch an. So ist das auch bei folgendem Beispiel, wo ich eine Möwe am Sihlkanal in Zürich fotografiert habe. Wir folgen dem Blick des Tiers, das Stromaufwärts schaut. Wieso ist das so?


Um diesen Effekt zu erzeugen habe ich das Auge der Lachmöwe im Goldenen Schnitt auf der linken Bildseite platziert. Als Betrachter haben wir die Tendenz Bilder von links nach rechts zu "lesen", so wie wir das auch bei Texten tun. Dadurch betrachten wir erst die Möwe, um dann ihrem Blick in den negativen Raum zu folgen.


"Negativer Raum" ist vereinfacht gesagt der Bereich das Bildes, wo nicht besonders viel los ist. Viel negativer Raum kann das Bild entschleunigen und Ruhe in die Komposition bringen. Dabei muss er weder unscharf noch uni-farben noch am Rand des Bild liegen. Vielleicht sollte ich dazu auch einmal einen Beitrag schreiben? Jedenfalls bewegt sich der Blick des Betrachters von hohem Detailgrad zu niedrigem Detailgrad. Diese befindet sich eben oftmals in diesem negativen Raum.


Platzieren wir die Möwe nun am rechten Bildrand, scheint das Bild irgendwie aus der Balance zu kommen. Wir fragen uns: Wo schaut die hin? Denn statt dem Blick eine klare Richtung (da ist sie wieder!) zu geben, liegt der negative Raum hier sinnlos vor der Möwe, sodass wir ihrem Blick nirgendwohin folgen können.


Richtung durch Bewegung

Neben Blicken ist die Bewegung eine wunderbare Möglichkeit um deinen Bildern Richtung zu verleihen. Wir sind sehr gut darin Bewegungen wahrzunehmen. Auch wenn sie nur statisch auf einem Bild zu sehen sind. In den folgenden Beispielen machen wir uns genau das zu Nutze.


Weil wir die Bewegungen der Snowboarderin und des Hundes nachvollziehen können, wissen wir als Betrachter, ob sie sich in den negativen Raum hinein oder hinausbewegen. So entsteht eine Richtung im Bild, die zweierlei wirkt.


Bei der Snowboarderin verläuft die Richtung im Bild entlang einer Diagonalen von rechts unten nach links oben. Also entgegen jeglicher natürlicher "Leseform" des Bildes. Das führt dazu, dass wir uns das Bild langsamer und ausführlicher anschauen.


Beim Hund ist es anders herum. Die Richtungsdiagonale läuft von oben links, nach unten rechts. Also schön harmonisch mit dem Blick des Betrachters, der so schneller über das ganze Bild läuft. So könnte man das Tier auch schneller wirken lassen. Das funktioniert bei einem Hund allerdings weniger gut, als beispielsweise bei einer Gazelle.


Fazit

In jedem Bild gibt es Elemente, die den Blick des Betrachters einfangen und in eine bestimmte Richtung ziehen. Sei es durch Kontrast, Farbe, Bewegung oder einfach weil sie besonders gross sind. Der Kniff liegt darin, diese Elemente zu erkennen und in der Bildkomposition so zu platzieren, dass sie ihre grösstmögliche Wirkung entfalten können. Welche Wirkung das sein soll, entscheidet, wie immer, der Fotograf. Denn Fotografie ist Kunst und welche Aussage ein Bild treffen soll, entscheidest du allein.


In diesem Sinne wünsche ich dir viel Spass beim Knipsen!


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